Ratgeber · Offertenprozess

Vom Anfrage zum Auftrag: Der Offertenablauf in der Schweiz

Alle Schritte des Offertenablaufs erklärt: Von der ersten Kundenanfrage über die Offerte und die Auftragsbestätigung bis zur Rechnung.

Lesedauer: ca. 6 Minuten·
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen auf Basis der in der Schweiz geltenden Grundlagen weiter. Er stellt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an einen zugelassenen Treuhänder, Rechtsanwalt oder die zuständige Behörde.
1

Anfrage

Kunde

2

Offerte

Anbieter

3

Nachfassen

Anbieter

4

Auftrag

Kunde

5

Rechnung

Anbieter

Schritt 1: Die Kundenanfrage

Der Offertenablauf beginnt mit einer Anfrage des potenziellen Kunden — telefonisch, per E-Mail oder über ein Kontaktformular. In dieser Phase ist es wichtig, genügend Informationen zu erfassen, um eine präzise Offerte erstellen zu können.

Folgende Angaben sollten Sie bei der Anfrage klären:

  • Art und Umfang der gewünschten Leistung
  • Gewünschter Ausführungstermin / Lieferdatum
  • Budget-Vorstellung (falls der Kunde eine Angabe macht)
  • Ansprechperson und Entscheidungsträger
  • Wie dringend wird die Offerte benötigt?
  • Gibt es bereits Vergleichsofferten anderer Anbieter?

Tipp: Reagieren Sie auf Anfragen idealerweise innerhalb von 24 Stunden mit einer kurzen Bestätigung. Kunden vergleichen oft mehrere Anbieter gleichzeitig — wer zuerst antwortet, hinterlässt einen guten ersten Eindruck.

Schritt 2: Die Offerte erstellen

Die Offerte ist das Herzstück des Ablaufs. Sie unterbreiten dem Kunden Ihr Angebot schriftlich — mit allen relevanten Informationen, damit er eine fundierte Entscheidung treffen kann.

Empfohlener Aufbau einer Offerte

1

Anschreiben

Persönliche Ansprache, Bezug auf die Anfrage, Dank für das Interesse

2

Ausgangslage

Zusammenfassung der Kundensituation — zeigt, dass Sie verstanden haben, worum es geht

3

Leistungsbeschreibung

Was liefern Sie genau? Umfang, Abgrenzung, optionale Leistungen

4

Preistabelle

Positionspreise, Mengen, Einheiten, Netto, MWST (8.1% Normalsatz), Gesamtbetrag

5

Konditionen

Gültigkeitsdauer, Zahlungsbedingungen, Ausführungstermin

6

Nächste Schritte

Klarer Call-to-Action: Was soll der Kunde tun? Unterschrift, Rückmeldung, Termin?

Gültigkeitsdauer: Geben Sie immer eine Gültigkeitsdauer an (empfohlen: 30 Tage). So haben Sie die Kontrolle über Preisänderungen und sind nicht unbefristet gebunden.

Schritt 3: Nachfassen

Kunden, die sich nicht melden, haben die Offerte nicht zwingend abgelehnt — oft sind sie einfach beschäftigt oder haben die E-Mail vergessen. Ein gezieltes Nachfassen ist Teil des professionellen Offertenablaufs.

3–5 Tage nach Versand

Kurze Rückmeldung: Offerte erhalten? Fragen?

Telefon oder E-Mail

10–14 Tage nach Versand

Entscheidungsstand erfragen, bei Bedarf Gespräch anbieten

Telefon bevorzugt

Kurz vor Ablauf Gültigkeit

Hinweis auf auslaufende Gültigkeit, Verlängerung anbieten

E-Mail

Tipp: Beim Nachfassen geht es nicht darum, Druck auszuüben, sondern Service zu signalisieren. "Haben Sie noch Fragen zur Offerte?" ist besser als "Haben Sie sich schon entschieden?"

Schritt 4: Auftragsbestätigung

Wenn der Kunde die Offerte annimmt, kommt es zum Vertragsschluss. Das kann durch schriftliche Annahme (Unterschrift auf der Offerte, E-Mail-Bestätigung) oder mündliche Zusage geschehen.

Eine Auftragsbestätigung ist ein zusätzliches Dokument, das Sie dem Kunden nach der Annahme senden. Sie ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber aus folgenden Gründen empfehlenswert:

  • Bestätigt schriftlich den Leistungsumfang und den Preis
  • Hält Start- und Liefertermin fest
  • Vermeidet spätere Missverständnisse über den vereinbarten Umfang
  • Schafft klare Dokumentation für beide Seiten

Die Auftragsbestätigung kann als separate E-Mail oder als Dokument verschickt werden — oder Sie lassen den Kunden die Offerte unterzeichnen und erhalten diese zurück.

Schritt 5: Die Rechnung

Nach der Leistungserbringung stellen Sie die Rechnung. Im Unterschied zur Offerte ist die Rechnung eine Zahlungsaufforderung und bildet die Grundlage für die Buchhaltung beider Parteien.

Pflichtangaben auf der Rechnung (MWST-pflichtige Unternehmen):

  • Firmenname und Adresse des Rechnungsstellers
  • UID-Nummer (CHE-XXX.XXX.XXX MWST)
  • Name und Adresse des Rechnungsempfängers
  • Rechnungsdatum und Rechnungsnummer
  • Leistungsbeschreibung und Zeitraum
  • Nettobetrag, MWST-Satz (8.1% Normalsatz), MWST-Betrag, Gesamtbetrag
  • Bankverbindung (IBAN) und Zahlungsfrist

Offerte, Auftragsbestätigung, Rechnung im Vergleich

DokumentZweck
OfferteAngebot, Preisaufstellung, Leistungsbeschreibung
AuftragsbestätigungBestätigung des vereinbarten Umfangs
RechnungZahlungsaufforderung, Buchungsbeleg

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